Sturzgefahr bei Demenz: Ursachen und Vorbeugung im Alltag

Menschen mit Demenz können ein deutlich höheres Sturzrisiko haben. Der Beitrag zeigt belegte Zahlen, mögliche Ursachen und Maßnahmen, mit denen Angehörige das Risiko im Alltag senken können, und was nach einem Sturz sinnvoll ist.

Sturzgefahr bei Demenz: Ursachen und Vorbeugung im Alltag

Ein Sturz muss nicht immer schwere Folgen haben. Bei älteren Menschen und bei Menschen mit Demenz kann er jedoch mehr bedeuten als eine Verletzung: Es kann Sturzangst entstehen, und wer sich aus Angst weniger bewegt, hat ein höheres Sturzrisiko[1]. Auch der nächtliche Toilettengang kann zum Risiko werden. Dieser Beitrag zeigt, wie häufig Stürze sind, was sie begünstigen kann und wie Sie als Angehörige das Risiko im Alltag verringern können.

Wie häufig sind Stürze?

Nach Schätzungen stürzen etwa 30 von 100 Menschen über 65 Jahre, die zu Hause leben, einmal im Jahr. In Pflegeeinrichtungen sind es etwa 50 von 100. Die meisten Stürze verlaufen glimpflich und haben keine ernsten Folgen[1]. Nach der Befragung des Robert Koch-Instituts gaben 2022 rund 24 Prozent der Menschen ab 65 Jahren an, im letzten Jahr mindestens einmal gestürzt zu sein, bei den Menschen ab 80 Jahren rund 34 Prozent[2].

Menschen mit Demenz stürzen häufiger. Ihr Sturzrisiko wird in einem Factsheet zu Bewegung und Demenz mit etwa dem Dreifachen im Vergleich zu Menschen ohne Demenz angegeben[3]. Eine Übersichtsarbeit mit 31 Studien zu Menschen mit Alzheimer-Demenz kam auf eine jährliche Sturzhäufigkeit von rund 44 Prozent. Die Werte schwanken je nach Studie stark[4].

Bei einem Sturz bleibt es meist bei einer Prellung oder Abschürfung. Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause kommt es zu Verletzungen wie Knochenbrüchen, Platzwunden oder Kopfverletzungen. Brüche an Hüfte oder Oberschenkel können ernsthafte Komplikationen nach sich ziehen und längere Klinikaufenthalte nötig machen[1].

Was kann Stürze begünstigen?

Meist kommen mehrere Ursachen zusammen. Dazu können gehören:

Personenbezogene Ursachen

  • Sehbeeinträchtigungen, auch eine ungewohnte Gleitsichtbrille
  • Muskelschwäche in den Beinen, Gehstörungen, Gleichgewichtsstörungen oder ein verzögerter Balancereflex
  • Schwindel, zum Beispiel durch zu niedrigen Blutdruck, sowie plötzliche Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzprobleme
  • Gelenkschmerzen oder Rheuma, eine veränderte Körperhaltung
  • Bei Menschen mit Diabetes: starke Blutzuckerschwankungen
  • Gleichgewichtsprobleme und Orientierungsschwierigkeiten beim nächtlichen Aufstehen
  • Seelische Belastungen wie Ängste oder Depressionen
  • Fehlende Einsicht in Gefahren, wie sie bei Demenz vorkommen kann

Ursachen in der Umgebung

  • Stolperfallen wie lose Kabel, hochstehende Teppichkanten, Türschwellen, glatte Böden oder rutschige Badematten
  • Zu lange Kleidung und schlecht sitzende Schuhe; nachts nur auf Socken über glatten Boden zu gehen, kann das Risiko erhöhen
  • Veränderungen in der gewohnten Umgebung, etwa umgestellte Möbel

Medikamente und Alkohol

  • Manche Medikamente können das Sturzrisiko erhöhen, allein oder in Kombination, zum Beispiel bestimmte Beruhigungsmittel und blutdrucksenkende Mittel[1]. Lassen Sie die Medikamente von der Ärztin oder dem Arzt überprüfen und setzen Sie nichts selbst ab.
  • Alkohol kann das Sturzrisiko ebenfalls erhöhen[1].

So können Sie das Risiko senken

Wichtig ist, vermeidbare Ursachen im Alltag zu erkennen und nach Möglichkeit zu beseitigen[1].

  • Stolperfallen beseitigen: Kabel, übereinanderliegende Teppiche, wacklige Fliesen und hinderliche Möbel aus dem Weg räumen.
  • Für gutes Licht sorgen: Eine dezente Nachtbeleuchtung kann beim Gang zur Toilette Orientierung geben.
  • In Bewegung bleiben: Wer sich aus Angst vor einem Sturz kaum noch bewegt, hat ein höheres Risiko zu stürzen. Bewegungstraining kann dazu beitragen, beweglich zu bleiben[1].
  • Auf Seh- und Gehhilfen achten: Eine passende Brille und gut sitzende Schuhe, bei Bedarf eine Gehhilfe.
  • Ärztlichen Rat einholen: Gesundheitsprobleme, die einen unsicheren Gang verursachen, und Medikamente, die Schwindel auslösen können, lassen sich ärztlich überprüfen[1]. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten können bei der Wohnungsanpassung unterstützen.

Hilfsmittel für mehr Sicherheit im Alltag

Einige Hilfsmittel können den Alltag zusätzlich absichern. Sie ersetzen weder die Aufmerksamkeit der Angehörigen noch eine ärztliche Beratung. Eine Auswahl finden Sie in der Sammlung Stürze vermeiden und melden.

Wenn es dennoch passiert ist

Bleiben Sie ruhig und lassen Sie einen Sturz ärztlich abklären, besonders bei Schmerzen, einer Kopfverletzung oder wenn Ihr Angehöriger sich nicht mehr belasten kann. Im Notfall wählen Sie die 112. Auch ein Sturz ohne sichtbare Verletzung kann Angst machen. Sprechen Sie darüber, damit aus der Sorge nicht ein Rückzug aus der Bewegung wird.


Quellenangaben:

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Stürze bei älteren Menschen, Vorbeugung durch Bewegung
  2. Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung: Stürze (ab 65 Jahre), Stand 2022
  3. Impulsgeber Bewegungsförderung: Factsheet Bewegung und Demenz
  4. digiDEM Bayern: Mehr Stürze bei Menschen mit Alzheimer-Demenz, 2024

Letzte Überarbeitung: Oktober 2026