Demenz betrifft weltweit immer mehr Menschen: Nach Angaben der WHO leben mehr als 57 Millionen Menschen mit einer Demenz[2], und Schätzungen gehen von mehr als 150 Millionen bis zum Jahr 2050 aus[5]. Ein Medikament, das eine Demenz sicher verhindert, gibt es weiterhin nicht. Umso wichtiger ist es, beeinflussbare Risikofaktoren im Alltag in den Blick zu nehmen. Die WHO führt bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos auf solche Faktoren zurück[2]. Das heißt nicht, dass sich eine Demenz sicher vermeiden lässt, aber das persönliche Risiko lässt sich beeinflussen.
Was die aktuellen Leitlinien empfehlen
Im Juli 2026 hat die WHO die zweite Auflage ihrer Leitlinie zur Verringerung des Risikos für kognitiven Abbau und Demenz veröffentlicht[1]. Sie richtet sich an Erwachsene ohne Demenz. Auch die S3-Leitlinie Demenzen (Stand November 2023) und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft behandeln Lebensstil und Vorbeugung[3][4]. Die Empfehlungen unterscheiden sich teils darin, wie dringlich sie einzelne Faktoren einordnen. Viele davon lassen sich über eigene Gewohnheiten beeinflussen.
10 Maßnahmen für alle Lebensphasen
Die folgenden Maßnahmen können helfen, das persönliche Risiko zu senken. Sie sind unabhängig vom Lebensalter sinnvoll.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Die WHO empfiehlt Erwachsenen ab 65 Jahren mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Aktivität pro Woche[6]. Regelmäßige Bewegung kann das Demenzrisiko senken[1].
- Rauchen vermeiden: Wer auf Tabak verzichtet, kann sein Demenzrisiko senken und zugleich etwas für die Herz-Kreislauf-Gesundheit tun[1].
- Blutdruck im Blick behalten: Bei Bluthochdruck kann eine gute Einstellung wichtig sein, besonders im mittleren Erwachsenenalter[1]. Lassen Sie Ihre Werte ärztlich kontrollieren. Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können dabei unterstützen.
- Gesunde Ernährung: Setzen Sie auf Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte und reduzieren Sie Zucker und Salz[1]. Die WHO empfiehlt Vitamin-B- und Vitamin-E-Präparate, Omega-3-Fettsäuren und Multivitaminpräparate nicht zur Demenzvorbeugung, solange kein ärztlich festgestellter Mangel vorliegt. Ein Nutzen ist nicht belegt[2]. Besprechen Sie Nahrungsergänzung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Alkohol reduzieren: Wer weniger Alkohol trinkt, kann sein Demenzrisiko senken[1]. Bei anhaltenden Problemen können Beratungsangebote weiterhelfen.
- Geistige und soziale Aktivität: Rätsel lösen, neue Hobbys beginnen, mit anderen Menschen in Kontakt bleiben: Die WHO empfiehlt geistige Anregung und soziale Aktivität für Erwachsene mit normaler Kognition oder leichten kognitiven Einschränkungen[2].
- Gewicht im gesunden Bereich halten: Starkes Übergewicht gilt als Risikofaktor für Demenz, ein aktives Gewichtsmanagement kann daher einen Beitrag leisten[5].
- Diabetes vorbeugen und behandeln: Ein ausgewogener Lebensstil kann Diabetes vorbeugen, und eine gute Behandlung kann das Demenzrisiko senken[1]. Lassen Sie sich ärztlich beraten.
- Hörvermögen regelmäßig prüfen lassen: Hörverlust gilt als möglicher Risikofaktor für Demenz. Die WHO nennt Hörgeräte als Teil von Strategien zur Risikosenkung[2]. Regelmäßige Kontrollen können daher sinnvoll sein.
- Depressive Verstimmungen ernst nehmen: Sie verdienen unabhängig von der Demenzvorbeugung ärztliche Aufmerksamkeit. Ob die Behandlung einer Depression das Demenzrisiko senkt, ist nach der WHO bislang nicht ausreichend belegt[5]. Lassen Sie sich bei anhaltender Niedergeschlagenheit ärztlich beraten.
Fazit: Prävention beginnt heute
Bewegung, geistige Aktivität, soziale Kontakte und die Kontrolle von Blutdruck, Gewicht und Blutzucker können das Risiko für eine Demenz senken. Wer früh beginnt, kann am meisten profitieren, für sich selbst und für das eigene Umfeld. Die Empfehlungen der WHO beziehen sich auf Menschen ohne Demenz. Auch Menschen, die bereits mit einer Demenz leben, können Bewegung, Kontakt und Beschäftigung im Alltag guttun. Dabei geht es dann um Lebensqualität, nicht um Vorbeugung.
Quellenangaben:
- WHO: Risk reduction of cognitive decline and dementia, WHO guidelines, second edition, Juli 2026
- WHO: New WHO guidelines: up to 45% of dementia risk could be prevented or delayed, 15. Juli 2026
- S3-Leitlinie Demenzen (DGPPN/DGN), November 2023
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Alzheimer Info 1/2025, Prävention von Demenz, 2025
- The Lancet Neurology: Risk reduction as a crucial part of dementia prevention, August 2026
- WHO: Risk reduction of cognitive decline and dementia, WHO guidelines, 2019 (erste Auflage)
Letzte Überarbeitung: Oktober 2026