Wenn die Dämmerung Angst macht: Sundowning bei Demenz verstehen

Viele Menschen mit Demenz werden in den späten Nachmittags- und Abendstunden zunehmend unruhig, verwirrt oder sogar aggressiv. Dieses Phänomen wird als Sundowning bezeichnet und entsteht häufig durch Müdigkeit, Orientierungsverlust und Reizüberflutung. Der Beitrag erklärt die Ursachen und zeigt, wie Angehörige mit Ruhe, Struktur und Verständnis auf die herausfordernden Situationen reagieren können.

Wenn die Dämmerung Angst macht: Sundowning bei Demenz verstehen

Wenn der Nachmittag zur Last wird: Sundowning und aggressives Verhalten bei Demenz verstehen

Es ist kurz nach 16 Uhr. Draußen dämmert es, die Schatten werden länger – und im Raum ändert sich die Stimmung. Ihr Angehörige, der den ganzen Tag noch ruhig gewesen ist, wird unruhig. Er zupft an seiner Kleidung, murmelt Unverständliches, zeigt auf die Tür. Als Sie ihn beruhigen wollen, schlägt er nach Ihnen.

Sundowning. Ein Wort, das viele pflegende Angehörige fürchten.

Was ist Sundowning?

Das Sundowning-Syndrom beschreibt eine zunehmende Verwirrtheit, Unruhe und oft auch Aggression bei Menschen mit Demenz. Ab ungefähr 16 bis 20 Uhr werden Betroffene agitiert, orientierungslos, manchmal aggressiv. Manche wollen «nach Hause gehen», obwohl sie zu Hause sind.

Warum wird es abends schlimmer?

• Der innere Rhythmus verliert sich. Die inneren Uhren des Gehirns funktionieren nicht mehr richtig.
• Müdigkeit und Erschöpfung. Am Ende des Tages sind die kognitiven Reserven leer.
• Dunkelheit und Schatten. Die Dämmerung kann verwirrend sein.
• Unbehandelte Beschwerden. Schmerzen, Harndrang – alles wird abends spürbarer.
• Reizüberflutung. Ein langer Tag voller Eindrücke führt zur Überlastung.

Aggressivität – ein Hilferuf, kein Angriff

Wenn ein Demenzkranker schreit, schlägt oder beschimpft, ist das keine böse Absicht. Es ist Ausdruck von Angst, Überforderung oder Hilflosigkeit.

Was Angehörige tun können:

Tagsüber: Tageslicht, keine langen Mittagsschläfe (max. 30 Min.), anspruchsvolle Aktivitäten vormittags.
In der unruhigen Phase (16–20 Uhr): Ruhe schaffen, gedimmtes Licht, vertraute Musik, beruhigende Beschäftigung.
Wenn die Situation eskaliert: Bewahren Sie Abstand, vermeiden Sie Zwang, achten Sie auf die Sicherheit aller Beteiligten und holen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe hinzu

Sie sind nicht allein. Sundowning ist ein Symptom der Krankheit – kein Versagen Ihrerseits.